Da ich in den letzten Tagen von massiven Internetverbindungsproblemen betroffen war, konnte ich leider den Blog nicht weiterführen, sodass ich hier nun die gesamte Woche “bloggen” werde.
Montag
, 5. Juli 2010
Der erste Tag in der Schule in der Klasse “avance I” mit Antoine als Lehrer. Ich mochte von Anfang an seinen Kleidungsstil. Der Unterricht war zwar (na gut, Französisch war noch nie mein Lieblingsfach) zu Beginn etwas langweilig. Doch Antoine gestaltete den Unterricht sehr abwechslungsreich, mit vielen Spielen (z.B. Stadt, Land, Fluss oder Montagsmaler). Anschliessend an den normalen Unterricht folge der “course intensif”. In diesem Kurs wird nicht primär die Grammatik behandelt, sondern eher auf die Ausdrucksweise geachtet. In 4er Gruppen mussten wir ein Ende zu einer Geschichte erfinden und danach vortragen. Ich freute mich auf das Mittagessen.
Jeden Nachmittag gibt es eine Aktivität, die man zu Beginn der Woche wählen muss. Ich wählte für den Montag “Ping-Pong”. Das Angebot an Nachmittagsaktivtäten ist gross, Alternativen wären Fitness, Tennis, Basketball, Eislaufen (!), Fussball und Street Hockey gewesen. Für jeden war was dabei.
Am Abend gab es eine kleine Veranstaltung, wir mussten Gruppen bilden und in diesen Gruppen einen möglichst hohen, stabilen und schönen Turm bauen. Ein sehr gutes Kennenlernspiel, es wurde viel gelacht und geredet. Unser Turm war eine sehr wackelige Angelegenheit, dafür war er der Höchste.
Dienstag, 6. Juli 2010
Der Tag begann ruhig und ich war etwas müde, als ich mit dem gesponserten ESL-Ordner in das Klassenzimmer lief. Um den Unterricht spannend zu machen, spielten wir „Hangman“ auf Französisch. Jemand denkt sich ein Wort aus und die anderen müssen es erraten, indem sie Buchstaben rufen, die eventuell darin vorkommen könnten. Wenn der Buchstabe nicht im Wort vorkommt wird der Hangman weitergezeichnet. Wenn der Hangman fertig ist, hat die ratende Gruppe verloren und der Wortausdenker gewonnen. In der Grammatik behandelten wir „Futur simple“ und „Conditionel“. Im Intensivkurs mussten wir unsere Geschichte weiterschreiben, die mittlerweile kuriose Vorkommnisse beinhaltete. So zum Beispiel wurde die Hauptfigur durch einen plötzlichen Angriff eines Vampirs getötet und durch einen Stein wiederbelebt. Kreativitätsfördernd!
Habe ich schon gesagt, dass im Camp sehr viele Spanier sind? Und dass Spanier ziemliche Sportskanonen sind? Aufgefallen ist mir dies in meiner Nachmittagsaktivität, beim Basketball spielen. Selten sieht man 15jährige, die wie Profis spielen. Einen perfekten Korb aus 7m Entfernung? Kein Problem für die Spanier. Leider mussten wir früh wieder ins Camp zurück, da der Campdirektor uns etwas zu sagen hatte. Ich habe nichts Gutes erwartet.
Ich sollte Recht behalten, zusammengepfercht im Kinosaal des Hotels erzählte uns Laurent dass in der Nacht von Montag auf den Dienstag in das Büro des Campleiters eingebrochen wurde und dort das von den Schülern deponierte Geld sowie das Bargeld der Lehrer gestohlen wurde. Leider hatten viele Schüler nicht nur Geld sondern auch ihren Pass, die ID oder das Flugticket in die Obhut der Schule gegeben. Diese wurden in demselben Safe aufbewahrt, den die Diebe mitgenommen haben. Ich war schockiert, Diskussionen füllten den Saal und es musste um Ruhe gebeten werden. „Das Geld ist kein Problem, wir haben alles im Computer gespeichert und es wird am Donnerstag wieder verfügbar sein. Die Pässe können mit Absprache der Botschaft durch ein Spezialpapier ersetzt und die Flugtickets können nochmals ausgedruckt werden.“ Also eigentlich alles kein Grund zur Panik, dennoch waren nun viele beunruhigt und der Diebstahl wurde zum Gesprächsthema Nummer 1. Uns wurde nur gesagt, dass fast die komplette Polizei daran arbeitet.
Mittwoch, 7. Juli 2010
Der Mittwoch war ein wundervoller Tag, sonnig und heiss. Im morgendlichen Unterricht mussten wir eine kleine Zwischenprüfung schreiben, die zeigen sollte, was wir bis jetzt so alles gelernt haben. Die Prüfung lief nicht sehr gut, hatte ich doch für die letzte Aufgabe nur noch sehr wenig Zeit zur Verfügung. Im Intensivkurs spielten wir Taboo, ein Worterklärspiel. Man muss ein Wort erklären, darf aber dabei einige Begriffe nicht sagen. Dieses Spiel erfordert einen enormen Wortschatz im Französisch.
Auf den Nachmittag freute ich mich besonders: „Parc Aventure“, ein riesiger Seilpark. Mit Brandon, einem Schweizer, kletterte ich in die Höhe, von Baum zu Baum. Der Schwierigkeitsgrad war beliebig wählbar, von einer Babytour bis zu einer, die nur für über 16jährige gedacht war. Brandon und ich wählten nach der obligatorischen einfachen grünen Tour die grosse rote Tour, für die wir über eine Stunde benötigten. Ein gutes Gleichgewicht und Fitness ist vonnöten, um diesen Parkour, der einige Adrenalinschübe hervorruft, zu bewältigen. Als letztes wollten wir die blaue Tour machen, die etwas leichter war als die Rote. Leider war sie etwas länger als geplant, sodass wir vorzeitig hinuntersteigen mussten, um die anderen nicht warten zu lassen.
Anschliessend an den „Parc Aventure“ trafen wir uns mit den anderen aus dem Camp, die „Aqua Park“ und „Nager“ gewählt haben. Geschätzte 100 Leute sassen in einem Restaurant am Genfersee und assen Fleisch vom Grill, Salat und tranken Pepsi dazu.
Mittwochabend war der Fussballmatch der WM Deutschland : Spanien. Da viele aus dem Camp von Spanien sind, waren überall Spanien Flaggen zu sehen, die Vorfreude auf den Match war gross. Als Spanien Deutschland mit 1:0 besiegte, waren die Spanier nicht mehr zu halten. Bilder sagen mehr als tausend Worte, Videos mehr als Bilder. Hier das Video dazu:
Donnerstag, 8. Juli 2010
Mein Morgenessen besteht aus 2 Scheiben Brot mit Butter und Konfitüre, Cornflakes, einem Capuccino und einem Orangensaft. Gestärkt ging ich in mein Klassenzimmer, wo mich meine Prüfung von gestern erwartete. Ich bin nicht sehr zufrieden mit dem Resultat, ich bekam eine 4.75. Danach repetierten wir Futur simple, vertieften Conditionnel und wir schauten einen Film, „Mission Cléopatra“. Natürlich auf Französisch. Glücklicherweise waren Untertitel vorhanden, sodass man gut mitkommen konnte. Am Nachmittag wollte ich eigentlich in einer Halle Klettern gehen, aber da diese Aktivität überbucht war, musste ich wieder Basketballspielen gehen. Dieses Mal waren noch mehr Spanier da und es war unmöglich, auch nur einen Punkt zu erlangen.
Für den Abend war eine Disco angesagt.
„Die Disco war sehr toll, cool, crazy. Es war sehr heiss in diesem Raum weil so viele gefeiert und getanzt haben!“ – Jennifer Graf
„Besonders bei Macarena und So What tanzten alle. Spätestens beim zweiten Durchgang konnten auch die nichtspanischen ESL-Schüler den Macarena-Tanz tanzen.“ – Andrea
Freitag, 9. Juli 2010
Der letzte Tag der ersten Woche mit Antoine. Er verteilte uns die Abschlussprüfungen und liess uns daran arbeiten. Wieder hatte ich zu wenig Zeit für die Prüfung, ich konnte die übersprungene erste Aufgabe nicht mehr lösen. Ansonsten war der Test anspruchsvoll, aber nicht zu schwierig. Zum Abschluss spielten wir noch ein Ratespiel. Auch im Intensivkurs spielten wir ein witziges Spiel, „Werwölfli“ wird es (so glaube ich) genannt.
Als Mittagessen wurde uns Pommes Frittes mit Chickennuggets und Ketchup offeriert, genau das Richtige für das Abenteuer danach: Dirty Scoot!
Beim Dirty Scoot mietet man sich ein Trottinett mit 30cm breiten Reifen, lädt es in die Seilbahn hinein, fährt damit den Berg hoch und rast damit über Stock und Stein hinab. Oben angekommen war ich sprachlos über die herrliche Aussicht und die Natur. Das erste Wegstück sollte sich als das schwierigste erweisen, es war gespickt mit vielen Schlaglöchern und Steinen. Glücklicherweise war das Trottinett mit breiten Reifen ausgestattet. Der Rest des Weges befand sich auf der Strasse. Gleich nach dem ersten Hinabfahren fuhren wir mit der Bahn noch ein zweites Mal hinauf und wählten eine schwierigere, interessantere Kiesstrecke. Meine Hände waren von dem andauernden Bremsen zu Ende nicht mehr zu gebrauchen doch es war eindeutig die beste Aktivität dieser Woche.
Es war ein sehr sportlicher Tag, sollte doch am Abend ein grosses Sportturnier stattfinden. Unser Team bestehend aus 14 Mitgliedern spielte Volleyball und Völkerball. Völkerball mit etwas kuriosen Regeln, sodass das Spiel nicht wirklich in Fluss kam. Volleyball hingegen machte Spass zu spielen.
Diese andauernden Appelle begannen zu nerven. Bei jedem noch so kleinen Treffpunkt werden alle 100 Schüler gebeten „Oui!“ zu rufen, wenn ihr Name aufgerufen wird. Dies dauert jeweils etwa 20 Minuten. Diese Apelle sind für eine Ordnung unentbehrlich, doch sie gehen auf den Geist. Zum Hotel mussten wir in 2er Pärchen zurücklaufen und es wurde peinlich darauf geachtet, dass ja niemand nur auch einen Schritt aus der Kolonne machte. Ich fühlte mich wie im Kindergarten.
Samstag, 10. Juli 2010
Abreisetag. Etwa 30 verliessen das Camp, darunter einige tolle Leute, wie mein Zimmergenosse Sian Visentini. Ansonsten hatten nur wenige eine Aktivität wie Shoppen nach Lausanne oder Alpine Coaster gewählt. Die meisten, so auch ich, blieben im Camp und konnten machen, was immer sie wollten. Ich war mit Hisham, meinem nun einzigen Zimmergenossen und ein paar anderen in Leysin herumgelaufen, unter anderem besuchten wir den Coop um uns für das Wochenende (WM-Finale!) einzudecken.
Am Abend war das Spiel um den dritten Platz, Uruguay gegen Deutschland. Da Spanien nicht spielte, war die Atmosphäre im Camp relativ ruhig und nur kleinere Torjubel waren zu beobachten. Deutschland besiegte Uruguay mit 3:2.
Morgen werden Hisham und ich vielleicht einen neuen Zimmergenossen bekommen. Ich bin gespannt, wer es sein wird.
suuuper Video!! hesch also würkli toll gmacht!